Wer kein Social Media nutzt, macht sich auffällig

Der Tagesspiegel brachte bereits am 24.07.2012 – kurz nach dem Attentat eines sogenannten Amokläufers (der eigentliche Wortsinn ist ein gänzlich anderer, schließlich war der Täter nicht unvorbereitet in das Kino gestürmt) in Denver, Colorado, USA – einen Artikel, indem den Lesern suggeriert wird, dass sich Personen, die die Social Media-Plattformen größtenteils oder gar gänzlich (unfassbar!) meiden, offenbar mittlerweile als potenzielle Straftäter gelten. Dies geht laut Einleitung auf ein „Forscherteam“ zurück, erst später im Text wird ein Name genannt: Richard E. Bélanger.

Da dieser Wissenschaftler und die im Tagesspiegeltext  angedeutete (!) Studie bereits in einem anderen Blog besprochen wurde und ich niemandem seine Mühe für gute Recherchen abspenstig machen möchte, sollte sich jeder interessierte Leser folgenden Link durchlesen:

alltagsforschung.de (Vielen Dank an Daniel Rettig)

Um es kurz zu machen: Die nur angedeutete Studie, um die es sich handelt, ist aus dem Jahre 2002 und wurde nur unter einigen Schweizer Heranwachsenden durchgeführt.

Wie viel Aussagekraft hat dies im Jahre 2012 und vor allem im Zusammenhang mit Denver?

Allein der erste einleitende Absatz im Artikel vom Tagesspiegel lässt aufhorchen:

Der Attentäter war nicht bei Facebook aktiv. Forscher glauben, dass Online-Abstinenz auf Störungen hindeuten kann. In US-Personalabteilungen wird man sogar misstrauisch, wenn Jobbewerber in Sozialen Netzwerken nichts von sich preisgeben wollen.

Es wirkt nicht nur so, als wäre es komplett aus dem Zusammenhang gerissen, es entspricht den Tatsachen. Aber so muss man sich wohl den modernen Journalismus vorstellen..

Wenn ich den Artikel von Katrin Schulze (Tagesspiegel)  richtig interpretiere, so muss ich eingestehen, dass ich ebenso ins Visier jedweder Fahnder geraten kann, einzig und allein, weil ich einer derjenigen bin, die Facebook, Twitter und Co. KG tunlichst meiden. Ich habe weder die Lust noch das Verlangen, mein Leben öffentlich breitzutreten und wenn ich mit Bekannten in Kontakt treten möchte, mache ich das lieber nach wie vor auf die altmodische Art und Weise, also entweder Telefon oder im „echten Leben“. Das befriedigt mich weit mehr als eine simple Textzeile mit nichtssagenden Informationen. Natürlich gibt es Personen, die nicht in unmittelbarer Nähe und/oder sich im Ausland aufhalten, doch dafür reicht mir (!) die stinknormale E-Mail.

Ich bin in diversen Foren aktiv, die sich auf spezielle Themen konzentrieren und ansonsten gibt es noch dieses Blog. Das reicht für mein persönliches Mitteilungsempfinden.
Nichtsdestotrotz gebe ich gerne zu, dass ich mich im ÖPNV oftmals selbst als Außenseiter ansehe, angesichts der Personen um mich rum, die nur noch auf ihrem iPhone, Smartphone, Suckphone o.ä. rumwischen.

Aber als psychisch schwach oder potenziell gefährlich sehe ich mich nicht an, ich komme auch so wunderbar durchs Leben.

Und wenn ein Arbeitgeber meint, er müsse erst die Facebookprofile seiner Bewerber begutachten, dann sehe ich mich gezwungen, jedem einzelnen von ihnen, die so gefährlich sind wie ich, dass es dann wohl besser so sei, dort nicht unter Vertrag zu kommen. Am Ende ist für die Stelle womöglich ein zwingendes „Following“ oder „Like“ der Firma fällig, wobei sich das m.E. mit dem eigentlichen Sinn und Zweck der SM-Plattformen mächtig beißt.

Schließlich stimmt zumindest die Angabe, dass immer mehr Firmen vorher ihre Bewerber googlen oder facebooken oder oder oder..

In was für einer Zeit leben wir, wo Onlineprofile von Privatleuten anscheinend die Voraussetzung für eine Einstellung sind?

Frau Katrin Schulze vom Tagesspiegel ist nur eine von unzähligen Journalisten unserer Zeit, die gründliche Recherche sowie die Wahrheit hinten anstellen. Hauptsache, die Auflage bzw die Webhits stimmen. Dafür gibt es von mir einen richtig fetten Klick auf den „I dont like“-Button von mir!

Dieser wird nicht der letzte sein, da bin ich mir – leider – sicher.

Links zum Thema:

Tagesspiegel

alltagsforschung.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s